Die dikrote Inzisur: was die kleine Kerbe in der arteriellen Kurve bedeutet
Jeder Schlag auf der arteriellen Kurve hat im absteigenden Teil eine kleine Kerbe. Man übersieht sie leicht, dabei markiert sie den Moment, in dem die Aortenklappe schließt, und ihre Form sagt einiges über den Patienten und über die Messung selbst.
Was die dikrote Inzisur ist
Die dikrote Inzisur, oft auch dikrote Kerbe oder Welle genannt, ist die kleine Delle im abfallenden Schenkel der arteriellen Druckkurve. Alles davor ist Systole, in der die linke Kammer Blut auswirft. Alles danach ist Diastole: Die Klappe ist zu, und der Druck in den Arterien sinkt langsam, während das Blut in die Gewebe abfließt.
Warum sie entsteht
Wenn die Kammer aufhört auszuwerfen, ist der Druck in der Aorta kurz höher als in der Kammer. Etwas Blut fließt Richtung Herz zurück und schlägt die Aortenklappe zu. Dieser kurze Rückfluss und das Zurückfedern der geschlossenen Klappe zeigen sich als Delle mit einem kleinen Buckel danach.
In der Arteria radialis, wo die meisten arteriellen Zugänge liegen, sieht die Kurve anders aus als in der Aorta. Die systolische Spitze wird höher und schmaler, und Druckwellen, die von kleineren Arterien zurückgeworfen werden, formen den weiteren Verlauf. Die Inzisur liegt deshalb etwas später, tiefer und weniger scharf als nahe am Herzen.
Was Lage und Form verraten
- Hoch im absteigenden Schenkel: häufig bei hohem Gefäßwiderstand, wenn die Arterien eng gestellt sind.
- Tief im absteigenden Schenkel: häufig bei niedrigem Widerstand, etwa in der Sepsis oder nach gefäßerweiternden Medikamenten.
- Verwaschen oder fehlend: meist ein technisches Problem. Eine Luftblase, ein Gerinnsel, ein abgeknickter Schlauch oder eine lockere Verbindung dämpfen das Signal. Die Kurve wird rund, der systolische Wert zu niedrig und der diastolische zu hoch. Sehr niedriger Druck, sehr hohe Frequenz und eine Aorteninsuffizienz können sie ebenfalls verwischen.
- Übertrieben, mit zusätzlichen Schwingungen: ein unterdämpftes System, das nachschwingt. Der systolische Wert wird dann überschätzt.
Die Messung mit dem Spültest prüfen
Ob das Problem beim Patienten oder beim System liegt, zeigt der Schnellspültest, auch Rechtecktest genannt. Man zieht am Spülventil und lässt los. Ein gut aufgebautes System zeigt eine Rechteckwelle, dann ein bis zwei schnelle Schwingungen und danach die normale Kurve mit Inzisur. Viele Schwingungen bedeuten Unterdämpfung. Ein langsames Zurückkehren ohne Schwingung bedeutet Überdämpfung, und die fehlende Inzisur sagt dann mehr über den Schlauch als über den Patienten. Warum Manschette und arterielle Messung selten dieselbe Zahl zeigen, steht in NIBP oder IBP.
Auch die Plethkurve hat eine Kerbe
Die Plethysmographiekurve des Pulsoxymeters hat oft eine eigene Kerbe. Sie hat dieselbe Ursache, ist aber weicher, und sie verschwindet als eines der ersten Zeichen, wenn der Patient zentralisiert oder kalte Finger hat. Eine Plethkurve, die ihre Kerbe verliert und flach wird, ist ein ernst zu nehmendes Zeichen schlechter Perfusion, auch wenn die SpO2-Zahl noch gut aussieht. Die SpO2-Seite zeigt, wie das aussieht.
Wie der Simulator sie zeichnet
Die arterielle Kurve in diesem Simulator ist kein festes Bild. Sie entsteht aus einer vorwärtslaufenden systolischen Welle und einer reflektierten Welle, und die Inzisur ergibt sich aus der Lücke dazwischen, mit einer schmalen zusätzlichen Delle beim Klappenschluss. Steigt die Herzfrequenz, wird die Diastole kürzer und die Inzisur wandert mit. Bei pulslosen Rhythmen bleibt die Kurve flach. Details auf der Seite zur arteriellen Messung.
Häufige Fragen
Was bedeutet die dikrote Inzisur?
Den Schluss der Aortenklappe. Sie trennt die Systole davor von der Diastole danach.
Warum fehlt die dikrote Inzisur auf der arteriellen Kurve?
Meist ist die Messung gedämpft, durch eine Luftblase, ein Gerinnsel oder einen Knick. Auch sehr niedriger Druck, sehr hohe Frequenz oder eine Aorteninsuffizienz können sie verschwinden lassen. Der Spültest hilft bei der Unterscheidung.
Gehört die dikrote Inzisur zur Systole oder zur Diastole?
Sie markiert die Grenze. Der Auswurf endet kurz davor, die Diastole beginnt mit ihr.
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